„Wir leben im Übergang von einer organischen Industriegesellschaft in ein polymorphes Informationssystem- war bisher alles Arbeit, wird nun alles Spiel, ein tödliches Spiel.“
Donna Haraway
Im Zusammenhang mit meinen Recherchen zum Thema Cyborg bin ich auf Cyborg-Feminismus gestoßen, ein Begriff der durch Donna Haraway geprägt wurde. In ihrem Cyborg Manifest, das bereits in den 80er Jahren veröffentlicht, wurde beschäftigt sie sich mit dem Diskurs der Neuen Medien im sozialen und philosophischen Sinne und setzt sich auf analytische Weise mit der Hybridisierung von Mensch und Maschine, von der Welt des Organismus zur Maschinenwelt auseinander. Dabei will sie die Verwischung der Grenzen von Mensch/Tier, Organismus/Maschine und Physikalischem/Nichtphysikalischem aufzeigen. Haraway bezeichnet die moderne Maschinerie als respektlosen, göttlichen Emporkömmling, der die Allgegenwart des göttlichen Vaters nachäfft. Cyborgs (für Haraway Hybride aus Maschine und Organismus) sind ihrer Meinung nach überzeugte Anhänger von Ironie, Intimität und Perversität, zudem oppositionell, utopisch und ohne jede Unschuld. Es kommt außerdem zu einer neuen Definition von Natur und Kultur, da Cyborgs eine technologische Polis bestimmen, „die zum großen Teil auf einer Revolution der sozialen Beziehungen im Haushalt beruht“. In ihrem Manifest gibt sie zudem einen Blick auf die bestehenden Herrschaftsverhältnisse und kritisiert in diesem Zusammenhang die „Textualisierung“ von allem und jedem durch postmoderne Theorien, die dabei keine Rücksicht auf soziale Beziehungen und Verhältnisse nimmt. Haraway will weiterhin auf eine Herrschaft der Informatik aufmerksam machen, da ihrer Meinung nach das „Cyborguniversum dem Planeten ein endgültiges Koordinatensystem der Kontrolle“ aufzwingen könnte. Aus ihrem feministischen Standpunkt heraus heißt das für sie die restlose Aneignung der Körper der Frauen in einer männlichen Orgie des Krieges. Dennoch bietet der Cyborg für sie auch die Chance, sich und die Beziehung zu Mensch, Tier und Maschine neu zu definieren. Man soll Verantwortung für die bestehenden sozialen Beziehungen übernehmen, die sich durch die Technologieverhältnisse strukturiert haben. Haraway zeigt weiterhin auf, dass es zu Mensch/Maschine Synthesen kommt, die eine eigene, vollkommen neue Identität bilden. Außerdem wirft sie einen Blick auf die realen Verhältnisse , selbst wenn dies als ein schwieriges Unterfangen zu vermerken ist, da die Grenzen immer mehr verschwimmen. Die Technokultur nimmt sie also als bestehende Realität an. Durch die Einbindung des Menschen in die Maschinerie verändert sich zudem ihrer Meinung nach nicht nur die Welt der Wahrnehmung, sondern auch die Welt der Empfindungen. Haraway spricht der Cyborgisierung aber auch Chancen der Emanzipation zu, da Cyborgs in keine Kategorie einzuordnen sind. Im Grunde sind sie weder männlich noch weiblich, somit kann man in Bezug auf den Menschen den Diskurs eröffnen, dass es kein streng weibliches und männliches Verhalten gebe. Geschlechtrollen sind für Haraway schlichtweg konstruiert. Somit kann man abschließend sagen, dass durch Cyborgs die „Reformulierung von Körper und Selbst in Begriffen der Informatik“ auch neue Chancen der Kontrolle und Verwertung eröffnet.
„Jedes beliebige Objekt und jede Person kann auf angemessene Weise unter der Perspektive von Zerlegung und Rekombination betrachtet werden, keine ‚natürlichen‘ Architekturen beschränken die mögliche Gestaltung des Systems“
http://www.hermeneia.ch/cyborgmanifesto.pdf
http://ezines.onb.ac.at:8080/ejournal/pub/ejour-97-II/forum/harbook.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Cyborgs
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