Freitag, 26. Juni 2009

Darstellung der Cyborgs in Philipp K. Dicks Buch „Blade Runner“

Im Rahmen unserer Blogeinträge habe ich mich entschieden, mich mit der Cyborgdarstellung im Buch „Blade Runner“ zu beschäftigen. Zuerst ist vielleicht in diesem Zusammenhang erwähnenswert, dass es sehr schwer auszumachen ist, wann es sich um einen Cyborg oder um einen Menschen handelt. Selbst Rick Deckard, selbst ein erfahrener Prämienjäger tut sich nicht leicht, Androiden als diese zu erkennen, da jene bereits viel zu menschliche Züge angenommen haben. Beispielsweise sein Treffen auf Rachael zeigt, wie unsicher er sich trotz seines Voigt-Kampff-Tests ist: „Logischerweise habe ich in diesem Fall die weiteren Tests zu unterlassen - was ich hiermit tue. Wenn der Test einmal versagt hat, ist es sinnlos, weiterzumachen.“(S.65). Die neuen Androiden, Nexus-6 genannt, haben bereits so viele menschliche Züge angenommen, dass es im Grunde fast unmöglich ist, sie als Cyborgs zu identifizieren: „Sie kam näher, stellte sich neben ihn, schlang ihre Arme um ihn und preßte sich für einen Augenblick an ihn.(…)Und dann, als sie das Pfirsichstück aß, begann sie plötzlich zu weinen.“ (S.167). Der Prämienjäger Rick befindet sich zunehmend in einem Konflikt mit sich selbst, da er zum einen nicht mehr auszumachen vermag, wem er nun trauen könne und zum anderen den Androiden gegenüber Gefühle entwickelt: „Ich beginne allmählich, Sympathien für die Androiden zu hegen - stell dir nur vor, was das bedeutet!“ (S.193). Luba Luft ist zudem ein gutes Beispiel für einen sehr menschlichen Androiden. Als Opernsängerin tätig ist es ihre berufliche Aufgabe Emotionen zu transportieren, da Liebe, Leidenschaft, also starke Gefühle im Allgemeinen, durch die Oper auf das Publikum wirken sollen. Keiner hat aber anscheinend bemerkt, dass diese Emotionen offensichtlich nicht vorhanden sind, da sie ja wie sich später rausstellt auch ein Cyborg ist. Man stellt sich also als Leser die Frage, wer in diesem Buch eigentlich noch ein realer Mensch ist und wer nicht. Selbst bei Rick, dem Protagonisten, kann man sich nicht hundertprozentig sicher sein, da weder Belege dafür noch dagegen geliefert werden. Philipp K. Dick lässt diese Frage vermutlich bewusst offen, um der Thematik Cyborg - Mensch noch mehr Dimension zu verleihen. Die Angst, die der Mensch im Zusammenhang mit Androiden verspürt, kommt bei Rick des Öfteren zu Tage: „Phil Resch sagte ganz ruhig: ‚Ihnen ist doch wohl klar, wie es sich auswirken müßte, wenn wir Androiden in den Bereich unserer gefühlsmäßigen Identifizierung mit einbeziehen würden, wie wir das mit Tieren tun.’ ‚Wir wären schutzlos’ ‚Absolut. Diese Nexus-6-Typen würden uns glatt plattwalzen. Sie und ich und alle anderen Prämienjäger – wir stehen zwischen Nexus-6 und der Menschheit, eine Barriere, die beide trennt’.“ (.S.159-160). Man stellt sich aber nun als Leser die Frage, ob es denn wirklich soweit kommen würde, da die Cyborgs in „Blade Runner“ als überwiegend friedlich gekennzeichnet werden. Im Gegensatz dazu nehmen eher die Prämienjäger unmenschliche Züge an, indem sie eigentlich ohne jegliches Mitgefühl, sondern eher mit Stolz diese Androiden zerstören. Wer ist am Ende nun Cyborg und wer Mensch?

Quelle:
Dick, P.K (1968). Blade Runner. 6. Auflage. München: Wilhelm Heyne Verlag.

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